Fraktionsvorsitzender H.G.Schönberg:

Rede im Stadtrat zum Defizit der Burgfestspiele 2004 und Verabschiedung 2005!

- es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Stadtratsmitglieder,
sehr geehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger,

in Vorbereitung für den heutigen Abend habe ich mir einen Redetext zu den Burgfestspielen 2004 vorgenommen. Die Überschrift begann mit den Worten Zitat Anfang: "Märchenstunde im Kulturausschuss" Zitat Ende.

Um ihnen heute Abend eine Märchenstunde zu ersparen, habe ich es bei der Überschrift belassen.

Wenn wir heute hier im Stadtrat die neue Beschlussvorlage verabschieden, dann sollte dies auch der Ort sein, an dem die wichtigsten Ergebnisse der FWM-Beratungen für die Öffentlichkeit herausgestellt und abschließend erklärt werden.
Dabei gilt für die FWM-Fraktion:
      Stabilität im schwierigen Umfeld,
      Vorsicht und Wachsamkeit tut Not,
      denn Risiken sowohl auf der Einnahmeseite
      als auch bei den Ausgaben gibt es genug
      ."
Zu letzterem Teil kann man nur sagen: wie wahr. Die Finanzlage der Burgfestspiele hat sich in 2004 radikal verändert.

Es brach über uns herein in einem Maße, das alle Vorstellungen gesprengt hat.
Die Finanzen der Festspiele dieser Stadt haben seit Beginn niemals solche "Tiefs" erlebt. In den letzten 8 Wochen hat die FWM durch öffentliche Veranstaltungen, Klausurtreffen, Anfragen an den Oberbürgermeister und Treffen mit Theaterfachleuten versucht, möglichst viele Kernprobleme der Burgfestspiele zu beleuchten und die Ausmaße zu klären.

Dabei wurde deutlich, dass vor allem der Oberbürgermeister und die Verwaltung als Kontrollebene sowie der Intendant als Leiter der Burgfestspiele hier verantwortlich sind. Politische Verantwortung tragen hier aber auch die drei schon bisher im Rat vertretenen Fraktionen CDU, SPD und FDP.

Sie haben nicht nur den Neugestaltungsplänen der Intendanz zugestimmt. Sie haben wohl allzu gerne geglaubt, ein Mehr an Leistungen wie Erhöhung der Vorstellungszahl, Einführung von Themenabenden, Aufführungen in Schulen, Umstellung auf eine "Eventkonzeption" - dazu noch eine Kürzung der Bauhofstunden - sei zu dem vorgelegten Haushaltsetat möglich gewesen.

Gestatten Sie mir, dass ich an dieser Stelle noch kurz auf die Premierefeier und auf die Bauhofstunden eingehe.

Zur Premierefeier:
Nach dem Motto "klotzen statt kleckern" organisierte der Oberbürgermeister eine Fete für die Premierefeier 2004 in Höhe von 26.800,- Euro. Trotz Ausverkauf der Premierenvorstellungen wurden aber nur 541 Karten verkauft und 9738,- Euro vereinnahmt. Die Differenz aus Einnahmen und Ausgaben beträgt, sage und schreibe 17062,- Euro beziehungsweise 431 nicht verkaufte Karten.

Der Versuch des Oberbürgermeisters Laux, die 431 nicht verkauften Karten durch finanztechnische Winkelzüge zu rechtfertigen (Freikarten/Sponsorenverträge), ist für die FWM-Fraktion sehr bedenklich und zweifelhaft. Das Rechnungsprüfungsamt ist zurzeit mit der Überprüfung beauftragt.

Diesbezüglich steht für die FWM-Fraktion fest, dass das Verteilen von Freikarten strenger und geordneter durch die politischen Gremien festgelegt werden müssen. Des Weiteren vertritt die FWM-Fraktion die Meinung, dass in 2005 keine Premierefeiern mehr stattfinden sollen und darüber hinaus die Generalproben für alle interessierten Bürger geöffnet werden.

Zum Bauhof:
Mit 1400 Stunden waren die Dienstleistungen des städtischen Bauhofes bei den Burgfestspielen angesetzt. Davon waren 1200 schon Wochen vor der ersten Vorstellung aufgebraucht gewesen - nämlich Anfang Mai. Zu diesem Zeitpunkt hat die zuständige Bürgermeisterin Veronika Fischer Intendant Pavel Fieber in einem Schreiben genau darauf aufmerksam gemacht.

Spätestens hier hätten doch alle Beteiligten hellwach sein müssen. Stattdessen hat man kräftig weggeschaut.

Das Ende vom Lied ist ja mittlerweile bekannt. Der Planansatz für diese Position wurde um 60 000 Euro überschritten.

Abgesehen von verschiedenen unbestreitbaren Einflüssen trifft die Stadtspitze aber auch eine große Mitschuld an der Finanzdesaster, das Defizit der Bauhofstunden war vorhersehbar und wurde von Bürgermeisterin Frau Fischer und vom Oberbürgermeister Günter Laux vorhergesehen, ohne dass allerdings in ausreichendem Maße von der Verwaltungsspitze gegengesteuert wurde.

Damit nicht genug!

Wie heißt es doch: "Ein Unglück kommt selten alleine"!

So zeigte es sich, dass das Budget 2005 auch mit 40.000,-Euro überschritten war. Denn der >alte Stadtrat< hatte im März mit der Vorabdotierung für die Burgfestspiele 2005 eine Neukonzeption der Burgfestspiele verabschiedet, die auch eine weitere Spielstätte auf dem Grubenfeld vorsah. Daraufhin wurden weitere Verträge von der Intendanz mit den Schauspielern für die Spielzeit 2005 (Robin Hood" abgeschlossen.

Folge dieser Konzeption ist die Aufgabe der Burg als Zentrum der Festspiele und die räumliche Abkopplung der Innenstadt. Gleichzeitig steigen die Kosten. Für die Neuschaffung einer passenden Infrastruktur (z.B. Anmietung einer 2.Tribüne (rund 25000 Euro), Anmietung/Kauf einer Mikrofonanlage (Kaufpreis: 82500 Euro) muss kräftig investiert werden.

Hinzu kommen finanzielle Risiken und Unabwägbarkeiten: Mit dem Jugendstück im Vulkanpark wird gerade ein Jahr nach dem Defizit von 2004 ein >Feldversuch < gestartet, dessen Akzeptanz völlig ungewiss ist (neue Zielgruppe, Nachmittagstermine in der Schulzeit) - und das ohne Finanzpolster als Absicherung! Ohne die genauen Kosten der neuen Spielstätte zu ermitteln wurde so ein weiteres Prestigeobjekt/Luftschloss beschlossen und populistisch im Wahlkampf (April 2004) der Bürgerschaft vorgestellt.

Zugegeben die Idee ist gut! Idee habe ich auch, aber ich frage mich wer bezahlt meine tollen Ideen?

z.B für 2006 könnte man die Nette anstauen,
und so dann
      Wicki und die Wickinger inszenieren!
      oder spielen wir doch vielleicht in 2006
      im Vulkanpark das Stück "der Schatz im Silbersee!
Was ist zu tun? Zeigen Sie Mut zur Umkehr - unterstützen Sie die "Burg"-Festspiele und kein "Vulkanpark"-Theater!

Bleiben Sie bitte hart, wenn es heute gilt, die mutigen Beschlüsse des alte Stadtrates zu korrigieren. Es wird dadurch nicht der Untergang des Abendlandes beschworen. Die Burgfestspiele werden nicht untergehen.

Im Gegenteil: Wir kämpfen für die Burgfestspiele!

Pressemitteilung FWM-Fraktion
3. November 2004